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Vergessene Perlen aus 125 Jahren ŠKODA: der ŠKODA BUGGY Typ 736

In Teil 6 unserer Reihe werfen wir einen Blick auf den ŠKODA BUGGY Typ 736

Seit 125 Jahren sorgt ŠKODA für clevere Ideen und entwickelt Fahrzeuge mit innovativen Designelementen und praktischen Features. Dieses stolze Jubiläum nehmen wir zum Anlass, um einen Blick auf die Modelle zu werfen, die in der Unternehmenshistorie nicht so bekannt sind. In Teil 6 unserer Reihe werfen wir einen Blick auf den ŠKODA BUGGY Typ 736.

ŠKODA beim Autocross

Ende der 1960er-Jahre eroberte eine spektakuläre neue Motorsportdisziplin Europa: Autocross – Rennen mit minimalistischen Boliden auf unbefestigten Rundkursen, bei denen es durchaus zum Kontakt zwischen den Fahrzeugen kommen kann. In der Tschechoslowakei fand die erste offizielle Veranstaltung im Herbst 1969 in Přerov statt. Schon bald war auch ŠKODA mit von der Partie: Im November 1970 gewann Werksfahrer Milan Žid auf der sogenannten Steeplechase-Pferderennbahn von Pardubice in der Hubraumklasse bis 1.000 ccm.

Seit 125 Jahren sorgt ŠKODA für clevere Ideen und entwickelt Fahrzeuge mit innovativen Designelementen und praktischen Features. Dieses stolze Jubiläum nehmen wir zum Anlass, um einen Blick auf die Modelle zu werfen, die in der Unternehmenshistorie nicht so bekannt sind. In Teil 6 unserer Reihe werfen wir einen Blick auf den ŠKODA BUGGY Typ 736.

ŠKODA beim Autocross

Ende der 1960er-Jahre eroberte eine spektakuläre neue Motorsportdisziplin Europa: Autocross – Rennen mit minimalistischen Boliden auf unbefestigten Rundkursen, bei denen es durchaus zum Kontakt zwischen den Fahrzeugen kommen kann. In der Tschechoslowakei fand die erste offizielle Veranstaltung im Herbst 1969 in Přerov statt. Schon bald war auch ŠKODA mit von der Partie: Im November 1970 gewann Werksfahrer Milan Žid auf der sogenannten Steeplechase-Pferderennbahn von Pardubice in der Hubraumklasse bis 1.000 ccm.

1971 dominierte der böhmische Fahrzeughersteller auch die erste tschechische Autocross-Meisterschaft und setzte schon damals auf eine Art Buggy. Er basierte auf dem ŠKODA 100/110 L, profitierte allerdings von einer um 40 Zentimeter verkürzten Bodengruppe, während die Karosserie weitestgehend durch Überrollbügel ersetzt wurde. Trotz der erreichten Erfolge verabschiedete sich das Werksteam von ŠKODA im Laufe der Saison 1972 wieder vom Autocross: Die Sportabteilung war mit der Vorbereitung von Renn- und Rallye-Fahrzeugen voll ausgelastet.

Ein Trend aus Kalifornien

Zur wachsenden Beliebtheit des Autocross kam ein zweiter Trend hinzu: das zunehmende Interesse an reinen Freizeitfahrzeugen wie den ,Dune Buggies‘ und ,Beach Buggies‘ – ein Phänomen, das von den Stränden und Sanddünen Kaliforniens und Floridas nach Europa herübergeschwappt war und mit besonders puristischem Fahrspaß lockte. Die recht einfach gestrickten Mobile wurden oftmals als Bausatz angeboten und fußten zumeist auf der modifizierten Serientechnik von Kleinwagen wie dem VW Käfer, die mit leichten Karosserien aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) kombiniert wurden. In Westeuropa bot sich speziell in der Einliterklasse die moderne Technik von ŠKODA an.

Der Typ 736 und die Anfänge der Azubi Cars

Der ŠKODA BUGGY sollte zeigen, ob ein solches Fahrzeug für den Export geeignet wäre und damit aus geschäftlicher Sicht Sinn ergeben würde. Im Sommer 1976 hatte der putzige Prototyp alle Tests bestanden. Technisch basierte er auf dem 110 L. Dessen Radstand hatten die Konstrukteure auf 2.000 Millimeter gekürzt und die Bodenplattform mit zwei Längsstreben, einem Rohrrahmen um die Windschutzscheibe und einem höheren Überrollbügel über den Köpfen von Fahrer und Beifahrer versteift. Das Design der offenen Metallkarosserie, die als 2+2-Sitzer immerhin Platz für vier Personen bot, entstammte der Feder von Josef Čech. Entstand das erste Exemplar noch unter tatkräftiger Mithilfe der Entwicklungsabteilung, die auch für die Lackierung sorgte, so wurden die weiteren vier Exemplare bis Oktober 1975 von den Auszubildenden des Autoherstellers in der firmeneigenen Berufsschule per Hand zusammengeschraubt. Damit legten sie die Grundlage für zahlreiche weitere ,Azubi‘-Cars wie zum Beispiel den 2017 vorgestellten ŠKODA ELEMENT. Der fahrfertige Strandflitzer mit Solar-Panel, Smart-TV, Kühlbox und mobiler Disco an Bord basierte auf dem CITIGO, kam aber ebenfalls ohne Dach und Türen aus – ein klassischer offener Buggy. Angetrieben wurde der Zweisitzer von einem kompakten Elektromotor mit 60 kW (82 PS) und einem Drehmoment von 210 Newtonmeter.

3,32 Meter und nur 710 Kilogramm

Massive Rohrrahmen schützten die Front- und Heckpartie des Typ 736. Besonders ins Auge fielen die beiden Scheinwerfer, die auf der vorderen Karosserieabdeckung angeschraubt waren, sowie das von einer Hülle geschützte Reserverad auf der Motorhaube hinten. Für Vortrieb sorgte der 1.107 ccm große und 33 kW (45 PS) starke Vierzylindermotor aus dem ŠKODA 110. Auch dank seines Drehmoments von 74 Newtonmeter, das bei 3.000 Umdrehungen zur Verfügung stand, hatte er mit dem Leichtgewicht wenig Mühe: Der 3,32 Meter kurze BUGGY brachte nur 710 Kilogramm auf die Waage, durfte aber 400 Kilogramm zuladen. Genug für vier Personen plus Gepäck, für das es allerdings keinen separaten Stauraum gab. Nur wer zu zweit unterwegs war, durfte die Rückbank als immerhin 980 Millimeter breite Ablagefläche nutzen. Vor Regen konnten sich die Insassen durch ein Textilverdeck und Seitenteile mit transparenter Folie schützen. Auf den Barum-Straßenreifen der Dimension 165 SR 13 – das Geländeprofil hatte die Größe 175 SR 13 – erreichte der Prototyp bei halber Zuladung eine Höchstgeschwindigkeit von 107 km/h, während sich der Durchschnittsverbrauch auf 8,3 Liter pro 100 Kilometer beschränkte.

Gesetzgebung hindert Serienproduktion

Fast 30.000 Kilometer legte der ŠKODA BUGGY Typ 736 bei Testfahrten zurück. Deren positive Ergebnisse genügten jedoch nicht, um die Serienfertigung dieses Nischenmodells anzustoßen. Und das, obwohl seine Entwickler alternative Lösungen fanden, um die Produktion zu vereinfachen und die damit verbundenen Kosten zu senken. Dies reichte vom Einsatz einer GFK-Karosserie bis hin zu Überlegungen, den BUGGY auch der Polizei oder dem Grenzschutz anzubieten, was leider an der seinerzeit gültigen Gesetzgebung scheiterte. Dafür versah einer der Prototypen nach dem Ende des Projektes auf dem internationalen Flughafen Prag-Ruzyně, der heute den Namen von Václav Havel trägt, Dienst als Follow-Me-Wagen. Ein Exemplar gehört heute zum Bestand des ŠKODA Museums in Mladá Boleslav. Es wurde 2017 sorgfältig restauriert: von den Schülern der firmeneigenen Berufsschule, deren Vorgänger bereits in den 1970er-Jahren den Bau des ungewöhnlichen Automobils in der Hand hatten.

Auszubildende der firmeneigenen Berufsschule in Mladá Boleslav

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