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ADAC Rallye Deutschland: Der mit dem ŠKODA tanzt

Seit sie sich vor zwölf Jahren kennengelernt haben, arbeiten Rallyefahrer Matthias Kahle und sein Cheftechniker Jens Herkommer eng zusammen. So auch bei der ADAC Rallye Deutschland im Saarland – mit dem 130 RS im Begleitprogramm.

Ein wenig verschüchtert wirken die beiden Jungs schon, als ihr Idol plötzlich in voller Rallyemontur vor ihnen steht. „Darf ich ein Autogramm haben?“, fragt der Jüngere. Er ist vielleicht zehn Jahre alt, trägt eine rote Michael-Schumacher-Kappe und streckt Matthias Kahle den Stift zum Unterschreiben hin. „Kein Problem“, lächelt der siebenfache Deutsche Rallyemeister, unterschreibt und steht natürlich auch noch für das obligatorische Erinnerungsfoto bereit, das die Mutter von ihren beiden Söhnen und dem erfolgreichsten deutschen Rallyefahrer der Gegenwart machen möchte.

Es ist Rallyewochenende in der Eifel und Matthias Kahle gehört – wie bei jeder Rallye, die er fährt – zu den Publikumslieblingen. Mindestens genauso viel Beachtung wie der Fahrer, genießt jedoch das Fahrzeug, mit dem Kahle bei diesem Showrennen an den Start geht und das gerade ein paar Meter weiter aufgebockt steht: der ŠKODA 130 RS. Der Porsche des Ostens, wie der ab 1975 gebaute Bolide liebevoll genannt wird, ist bis heute einer der erfolgreichsten Tourenwagen der Welt. Und bei den Rallyefans ein absolutes Kultauto. „Die Leute kennen jede Schraube und jedes Detail des 130 RS“, staunt Kahles Cheftechniker Jens Herkommer. Der KfZ-Meister aus dem Erzgebirge, in der Szene als Dr. ŠKODA bekannt, kann diese Faszination gut nachvollziehen. „Der 130 RS ist für mich das Rallyeauto und das schönste Auto der Welt.“

Inzwischen verbindet Herkommer und Kahle mehr als nur eine Arbeitsbeziehung, es ist eine Freundschaft entstanden. Weil rund 600 Kilometer zwischen Schwarzenberg und Kahles Wahlheimat Köln liegen, sehen sie sich zwischen den Rennen sehr selten. Aber sie telefonieren beinahe täglich. Und oft stundenlang. Ihr Thema ist immer dasselbe: Wie kann man das Auto noch schneller, noch besser, noch robuster machen? Wird das nicht langweilig? „Nein, niemals“, sagt Herkommer, „obwohl ich mich seit 1985 mit Autos beschäftige, habe ich noch immer nicht alle Geheimnisse ergründet.

Wer mit ihnen spricht, der merkt schnell: Kahle und Herkommer sind, im positiven Sinne, zwei Besessene. Sie lieben und leben den Motorsport. Und sie vereint auch und vor allem die Leidenschaft für den 130 RS, denn dieses Auto war es, das in Kahle den Wunsch auslöste, Rallyefahrer zu werden. „Ich war ungefähr zehn Jahre alt, da lief im DDR-Fernsehen ein Musikvideo. Das hieß ,Rallye-Polka‘“, erinnert sich der gebürtige Görlitzer. „Darin fuhr ein Mann im Takt der Polka-Musik mit dem 130 RS und machte unglaubliche Sachen mit dem Auto.“ Der junge Matthias war fasziniert und wollte auch so gut und rasant Autofahren können.

Heute tanzt Kahle selbst mit dem ŠKODA: Drei Deutsche Rallyemeisterschaften hat er im ŠKODA gewonnen. „Dass ich irgendwann zu ŠKODA gekommen bin und dieses Auto fahren durfte – das hätte ich damals nicht zu träumen gewagt.“ Der Erfolg hindert ihn aber nicht daran, noch weitere Ziele zu haben. „Mein großer Wunsch ist es, mit dem 130 RS bei der Rallye-Europameisterschaft anzutreten“, gesteht er. Weil es bei der Europameisterschaft Klassenwertungen gibt, sieht er eine realistische Chance, mit seinem Traumwagen Europameister zu werden. „Das ist auch mein großes Ziel“, sagt Herkommer. „Wir haben dieses Auto bei jeder Rallye-Teilnahme ein Stück weiterentwickelt. Sich auf europäischer Ebene im Wettkampf messen zu können – das wäre das Ende einer langen Entwicklung.“

Schritt für Schritt zum Ziel

Bevor es so weit ist, fährt Kahle mit seinem ŠKODA 130 RS aber zunächst weiter im Begleitprogramm – wie bei der ADAC Rallye Deutschland im Saarland. Bei dem deutschen WM-Lauf, der mit seiner Mischung aus engen Weinberg-Prüfungen, harten Pisten auf dem Truppenübungsplatz Baumholder sowie schnellen Asphalt-Straßen das Können und die Vielseitigkeit der Teilnehmer fordert, fährt Kahle zwar nicht um Punkte. Aber er wird weitere Erkenntnisse sammeln, um seinem Ziel einen Schritt näher zu kommen.